ExperteninterviewStronger In CirclesEthik & Kreislaufwirtschaft

Unternehmensethik als Brücke zwischen Profit & Verantwortung – ein Gespräch mit Prof. Dr. Stephanie Schrage

Veröffentlicht am 3. Feb. 20263 min Lesezeit

Prof. Dr. Stephanie Schrage im Gespräch über Kreislaufwirtschaft & Ethik

Prof. Dr. Stephanie Schrage im Gespräch über Kreislaufwirtschaft & Ethik

Echte Transformation braucht mehr als nur technische Innovation – sie erfordert eine neue Art zu denken. Mit unserer Reihe #StrongerInCircles laden wir Menschen ein, die den Weg in eine zirkuläre Zukunft aus unterschiedlichen Blickwinkeln ebnen. Wir lassen die Köpfe zu Wort kommen, die sich intensiv mit den Fragen unserer heutigen Wirtschaft beschäftigen.
In dieser Ausgabe begrüßen wir Prof. Dr. Stephanie Schrage. Als Expertin für Nachhaltigkeit und globale Lieferketten an der CAU Kiel forscht sie an der Schnittstelle von Wissenschaft und unternehmerischer Praxis.
Das Interview gibt Einblicke in die Rolle der Unternehmensethik sowie die Spannungsfelder zwischen Kostendruck und Verantwortung und beleuchtet systemische Hebel sowie die Kraft von Werten für eine Wirtschaft, die in echten Kreisläufen denkt.

Frau Prof. Dr. Schrage, Sie lehren und forschen zu "Nachhaltigkeit und Digitalisierung in globalen Lieferketten" und auch "Unternehmensethik" - welche Themen interessieren Sie besonders?

"Besonders interessieren mich die Spannungsfelder in globalen Lieferketten, wo soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit aufeinandertreffen – etwa wie Unternehmen ethisch handeln können, trotz Machtungleichgewichten in Lieferketten, und angesichts geopolitischer Spannungen. Unternehmensethik funktioniert so als Brücke zwischen Profit und Verantwortung, vor allem bei sozialen Audits und Arbeitsstandards. Ich forsche intensiv zu paradoxen Spannungsfeldern in Unternehmen, wie dem Konflikt zwischen Kostendruck und sozialer Verantwortung, etwa in Kooperationen zwischen Deutschland und China, Innovation und Effizienz, globalen und lokalen Anforderungen."

Welches Potential sehen Sie in der Transition zu einer Kreislaufwirtschaft und inwiefern spielt das Thema eine Rolle in Ihrer Arbeit?

"Die Transition zur Kreislaufwirtschaft sehe ich als enormes Potenzial für Ressourcenschonung und Klimaneutralität, indem wir lineare Ketten zu geschlossenen Kreisläufen machen. In meiner Arbeit spielt sie eine Schlüsselrolle als Ergänzung zu sozialer Nachhaltigkeit: Digitaltools und ethische Kooperationen können Lieferketten transformieren, z. B. durch bessere Rücknahmesysteme. Interessant sind da systemische Fragen für mich - wie müssen sich Institutionen und Wirtschaftssysteme ändern, um Circularity zu ermöglichen?"

Welche Rolle spielen Werte - in der Gesellschaft und in Unternehmen?

"Werte sind der Kern sowohl in der Gesellschaft als auch in Unternehmen: Sie schaffen gemeinsame Grundlage und Richtung für das Nachhaltigkeitsmanagment. Sie sind Grundvoraussetzung für den produktiven Umgang mit Spannungsfeldern zwischen sozialer, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit. In unserem Forschungs- und Transferprojekt EthiOrg bauen wir ein Innovationsnetzwerk zwischen Wissenschaft und Unternehmen, um Werte und Wertewandel in Unternehmen zu untersuchen, die Rolle von Werten vor Hintergrund des Umgangs mit Spannungen zu erörtern und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnis zum Thema in die Praxis zu transferieren."

Was können uns, dem circulee Team, mitgeben?

"Liebes circulee-Team, als Spezialisten für zirkuläre IT seid ihr Vorreiter – baut eure Plattform so auf, dass sie auch sozialer Nachhaltigkeit gerecht wird. Hier spielt das Lieferkettengesetz eine Rolle, aber auch Vertrauen von und zu Lieferanten und Transparenz in der ganzen Kette. Fokussiert kollaborative Modelle: Partnerschaften mit Herstellern und anderen Stakeholder können Ressourcen schonen und Entwicklung und Know-How auf beiden Seiten fördern. Ihr macht einen tollen Job!"
Vielen herzlichen Dank, Frau Prof. Dr. Schrage, für Ihre Zeit, die wissenschaftliche Perspektive und Ihr Engagement.